„Kinder machen untereinander Erfahrungen,
die sie mit Erwachsenen nicht machen können.“
(Emmi Pikler)
Grundbedürfnisse
Bei Kindern ist die Befriedigung der Grundbedürfnisse Voraussetzung dafür, dass sie sich körperlich, geistig und seelisch gut entwickeln und ihrem Alter entsprechende Fähigkeiten und Fertigkeiten entfalten und ausbauen können. Im Gegensatz zu Erwachsenen benötigen Kinder zur Befriedigung der Grundbedürfnisse allerdings die Unterstützung durch andere Personen.
Einige Punkte der Grundbedürfnisse erläutern wir hier beispielhaft:
Essen/Trinken
Die Kinder können in der Zeit des freien Frühstücks (von 08:0-09:00Uhr zu jeder Zeit frühstücken, Bei Bedarf bekommen sie auch danch noch einen gusunden Snack wie Obst- oder Gemüseschnitze. Getränke stehen den gesamten Tag zur Verfügung.
Um ca. 11:45 Uhr nehmen wir in der Gruppe ein gemeinsames Mittagessen ein.
Schlafen/Ruhen
Der Alltag in der Krippe ist für die Kinder aufregend, anregend aber auch anstrengend. Daher besteht für die Kinder jederzeit die Möglichkeit in dem angrenzenden Schlafraum zu ruhen bzw. zu schlafen, in welchem für jedes Kind ein eigenes Kinderbett zum Kuscheln bereitsteht. Jedes Kind kann je nach Schlafbedürfnissen vormittags oder nach dem Essen darin kuscheln.
Gerne kann von den Kindern ein Kuscheltier oder ein Schnuller mitgebracht werden, sofern diese ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit vermitteln.
Der individuelle Schlafrhythmus wird ausschließlich partizipativ von deinem Kind bestimmt. Wir erlauben es uns nicht, dein Kind zu wecken.
Pflege/Beziehungszeit
Das Wickeln bietet uns die Gelegenheit, sich dem einzelnen Kind intensiv zuzuwenden, zu kommunizieren und die Grundbedürfnisse zu befriedigen.
Es ist eine Zeit der ungeteilten Aufmerksamkeit; eine Zeit der engsten sozial-emotionalen Beziehung. Deshalb wird sie grundsätzlich von einer sehr vertrauten Bezugsperson durchgeführt.
Der Prozess von der Windel auf die Toilette ist ein wichtiger Entwicklungsschritt in Richtung Selbstständigkeit (Autonomie) des Kindes. Diesen Prozess begleiten wir, indem wir den Impuls des Kindes aufgreifen, wenn es Interesse an der Toilette zeigt.
Kinder benötigen intensive, emotionale, stabile und sicherheitsvermittelnde Beziehungen. Unsere Einrichtung ermöglicht euren Kindern diese Erfahrung.
Kinder brauchen Vertrauen in sich und ihre Umgebung, damit sie sich zu einer starken Persönlichkeit entwickeln können. Sie sind auf beständige, liebevolle Beziehungen und Zuwendungen angewiesen, um sich einerseits sicher und geborgen zu fühlen, andererseits auch, um auf dieser Grundlage unbesorgt die Umwelt erkunden zu können. Nur so kann es ihnen gelingen, emotional herausfordernde Situationen zu meistern.
Bildung gelingt nur über Beziehung und Bindung.
„Ich mag dich so wie du bist.
Ich vertraue auf deine Fähigkeiten.
Wenn du mich brauchst, bin ich da.
Versuch es zunächst einmal selbst“
(Emmi Pikler)
Pädagogische Schwerpunkte
Gerade in den ersten Lebensjahren von Kindern werden viele wichtige Grundsteine für ihre weitere Entwicklung gelegt. Besonderheiten unserer Arbeit mit Kindern sind ein achtsamer, wertschätzender Umgang, geprägt durch Förderung von Individualität, Partizipation und Achtsamkeit.
Die Sprach-, Bewegungs- und musikalische Förderung sowie die Liebe zur Natur sind besondere Eckpfeiler unserer Arbeit mit den Kindern. Ebenso die Sicht für das sich selbst bildende Kind, welche durch die bewusst gestaltete pädagogische Umgebung den individuellen Interessen und Bedürfnissen des Kindes gerecht werden kann. Ohne Bindung kann keine Bildung stattfinden, weshalb wir auf eine behutsame Eingewöhnung und Verlässlichkeit in unserer Arbeit achten.
All diese Themen fließen ineinander und beeinflussen die Kinder in ihrem Erleben und ihrer gesamten Entwicklung. Bereits im Bauch der Mutter hören die Kinder den Klang und den Rhythmus des Herzens ihrer Mutter. Kommen sie auf die Welt, sind sie umgeben von den Rhythmen Wachen und Schlafen, Aktivität und Ruhen, Trennung und Wiedersehen, Tag und Nacht, Erleben von Jahreszeiten u.v.m. Das ganze Leben besteht aus einem gewissen Rhythmus. Auch in der Sprache spielen Rhythmus und Klang eine zentrale Rolle und jeder Rhythmus motiviert zum Bewegen.
Diese Entwicklungsbereiche bilden ein Ganzes und fördern die Kinder in Ihrer Sprache, in ihrer Grobmotorik, in ihrer Musikalität und Kreativität sowie in ihrer gesamten Entwicklung.
Und auch wenn alle Menschen einem gewissen übergeordneten Rhythmus folgen, hat jedes Kind seinen ganz individuellen Rhythmus in seiner Entwicklung. Um Kinder hier nicht zu über- oder unterfordern, ist vor allem das Fachwissen und die Fähigkeit der individuellen Beobachtung wichtig um entwicklungs- und bedürfnisorientiert auf jedes einzelne Kind einzugehen und dennoch die Gruppe als Gesamtes im Blick zu haben und adäquat zu reagieren.
Unsere Arbeit ist geprägt von dem situationsorientierten Ansatz, der einen Kind-zentrierten bzw. bedürfnisorientierten Umgang mit Kindern ermöglicht.
Weitere pädagogische Ansätze, wie der von Emmi Pikler, der Montessorie-, Reggio- oder die Waldorfpädagogik fließen ebenso in unsere Arbeit mit ein.
Die Elemente der jeweiligen pädagogischen Ansätze widersprechen sich nicht, sondern ergänzen den kunterbunten Strauß und die Vielfalt, die das pädagogische Arbeiten mit Kindern für uns ausmacht.
Beobachtung und Dokumentation
Zu einer unser wichtigen Aufgaben als pädagogische Fachkraft gehört es, die Kinder zu beobachten. Hierdurch erfahren wir mehr über die Bedürfnisse, Interessen und Stärken der Kinder und können somit die Umgebung und das Material optimal auf die Kinder abstimmen.
Gerade im Krippenalter ist eine genaue Beobachtung sehr wichtig, da die Kinder in dieser Zeit vielfältige Entwicklungsschritte zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchlaufen.
Zur Unterstützung und besseren Einschätzung der Entwicklung der Kinder, arbeiten wir mit dem Bellerbogen. Diesen besprechen wir mit euch bei den von uns angebotenen Entwicklungsgesprächen..
Jedes Kind hat einen eigenen Portfolioordner, in dem die Entwicklungsschritte und Erlebnisse dokumentiert werden. Dies geschieht in Form von Bildern, Texten und eigenen „Werken“ des Kindes. Somit wird die Entwicklung der Kinder transparent gemacht.
Ziele der Einrichtung
Dieser Punkt legt dar, welche Ziele am Ende der Zeit in der Großtagespflege erreicht werden können und in welchem Zusammenhang diese mit dem Bild vom Kind stehen. Allerdings ist anzumerken, dass die Ziele trotzdem noch individuell an die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder angepasst werden müssen (z.B. mögliche Entwicklungsrückstände müssen bei der Beurteilung miteinbezogen werden). Der Bellerbogen gibt ebenfalls Orientierung bezüglich eventueller verzögerter Lernprozesse. Denn nicht jedes Kind wird in jedem Bereich die vorgegebenen Ziele erreichen, da sich jedes Kind individuell in seinem Tempo entwickelt, was absolut der Norm entspricht.
Motorische Kompetenzen
Die motorischen Kompetenzen sind wichtige Komponenten für andere Entwicklungsbereiche. Sie sind ausschlaggebend für die Selbstständigkeit und das Identitätsgefühl eines Kindes. Sie erlauben dem Kind eigene Erfahrungen zu machen und sich seine Lernräume noch eigenständiger auszusuchen.
Im motorischen Bereich wird unterschieden zwischen Grob- und Handmotorik (Feinmotorik). Die Grobmotorik entwickelt sich von Kind zu Kind unterschiedlich und kann zeitlich extrem variieren.
Unser Ziel ist, dass die Kinder sich sicher alleine durch ihre Umwelt bewegen können. Sie sollen kindergerechte Hindernisse alleine überwinden können. Kinder sollten bei Beendigung des dritten Lebensjahres sicher rennen und dabei Hindernisse umsteuern können. Diese Ausbildung der grobmotorischen Fähigkeiten wird durch die Schaffung einer abwechslungsreichen Umwelt, die zur Bewegung anregt, unterstützt. Die Räumlichkeiten, sowie die Tagesplanung gibt viel Raum für Bewegung mit anderen oder auch alleine.
In der Feinmotorik möchten wir, dass die Kinder kleine und filigrane Bewegungsabläufe ausführen können. Die Feinmotorik wird durch gezielt ausgewähltes Spielmaterial und durch Möglichkeiten (Projekte und Angebote) im Alltag geschult.
Sprachliche Kompetenzen
Die sprachlichen Kompetenzen sind neben den motorischen Kompetenzen der wichtigste Teil, um in Kontakt mit der Umwelt zu treten. Die Sprache ermöglicht es dem Kind, ein breiteres Spektrum an Emotionen und Gefühlsregungen zu entwickeln. Es ist wichtig, dass die Kinder beim Erwerb des grundlegenden Basiswortschatzes unterstützt werden und diesen durch verständliche und kindgerechte Kommunikation erlernen können.
Dazu ist die Förderung der Sprechfreude der Kinder grundlegend wichtig. Wir unterstützen diese im gesamten Tagesablauf z. B. durch Bilderbuchbetrachtungen, Fingerspiele/Reime/Lieder und dadurch, dass das Einnehmen der gemeinsamen Mahlzeiten sprachlich begleitet wird. Es ist wichtig, die Erfahrung der Kleinstkinder zu verbalisieren.
So lernen sie beispielsweise die Bezeichnung für ihre Tätigkeiten oder die Namen von Gegenständen. Die Sprachentwicklung des Kindes wird durch gemeinsames Singen, Gespräche und Erzählrunden beeinflusst.
Sprache ist der Schlüssel, um sich die Welt zu erschließen. Über die Sprache entwickelt das Kind seine eigene Persönlichkeit, bildet seine Identität aus und lernt soziale Kompetenzen auszubauen.
Die Sprache des Kindes ist eine individuelle Fähigkeit. Einige können schon im Alter von 1 -1,5 Jahren sprechen, andere wiederum lassen sich mehr Zeit und beginnen im Alter von 2-3 Jahren mit dem Sprechen.
Wir als pädagogische Fachkräfte verstehen uns als Vorbild, und achten auf unsere Wortwahl, die Betonung der Wörter und die nonverbale Kommunikation. In unserer pädagogischen Arbeit spielt die Köpersprache eine wesentliche Rolle, denn schon ein Lächeln schenkt einem Kind z. B. Sicherheit, Zuwendung und Mut.
Um von Anfang an den Gebrauch der Sprache zu lernen, benutzn wir im Umgang mit den Kindern keine „Babysprache“. Wenn die Kinder ein Wort nicht korrekt aussprechen, geben wir den Satz in richtiger Form wieder, anstatt das Wort zu verbessern. Auf diese Weise bewahren sie die Freude am Sprechen und fühlen sich nicht belehrt oder sogar bloßgestellt.
Ab dem dritten Lebensjahr sollten Kinder mindestens Sätze mit drei Wörtern bilden können.
Kognitive Kompetenzen
Die kognitiven Kompetenzen sind ein essentieller Teil im Alltag unserer Großtagespflege. Die Förderung dieser ist in den Alltag integriert und wird spielerisch gestaltet. Dem Alter und den Fähigkeiten entsprechend werden die Anforderungen und die Umwelt des Kindes gestaltet.
Die kognitiven Kompetenzen werden durch die Kindergruppe, die Fachkräfte, die Spielmaterialien, räumliche Gegebenheiten und die gezielte Anregung durch Rollenspiele gefördert und unterstützt.
Soziale und emotionale Kompetenzen
Die sozialen und emotionalen Kompetenzen hängen eng mit allen schon oben genannten Kompetenzen zusammen. Die eigene Identität und das Selbstwertgefühl spielen eine große Rolle. Denn in wie weit sich eine Selbstregulation bei einem Kind entwickelt, ergibt sich aus seiner eigenen Einschätzung und der Sicherheit seiner Identität. Kinder sollten mit der Zeit ihre Emotionen bei alltäglichen Angelegenheiten regulieren und sich auch selbstständig beschäftigen und beruhigen können. Die soziale und die emotionale Kompetenz werden im Alltag durch offene und verständliche Kommunikation unterstützt. Auch das Aufstellen von wenigen Regeln und die Erklärung der Sinnhaftigkeit für jeden Einzelnen gehören dazu. Außerdem werden die Kinder zur Selbstständigkeit und Mündigkeit angehalten. Sie sollen schon früh durch eigene Entscheidungen und deren Konsequenzen lernen, dass ihr Verhalten Auswirkungen hat.
Partizipation
Der Begriff der Partizipation in der Großtagespflege bedeutet, die Bedürfnisse, Wahrnehmungen und Gefühle von Kindern zu fokussieren, diese zu schätzen und ernst zu nehmen. Mögliche Entscheidungen sind hierbei, z.B. ob das Kind noch etwas essen will oder was es für Kleidung im Garten tragen sollte. Diese Fragestellungen werden jüngeren Kindern oft abgenommen.
Ältere Kinder dürfen häufig in diesen und vergleichbaren Situationen selbst bestimmen. Dieses Recht der Selbstbestimmung wird den jüngeren oft nicht zugestanden, obwohl sie sehr wohl in der Lage wären, diese Entscheidung alleine zu treffen. Die Kinder benötigen die frühe Verantwortung, um eigenes Handeln reflektieren und überdenken zu lernen. Nur so können die Kinder früh Verantwortung übernehmen und den Weg zur Mündigkeit finden.
Die Partizipation ermöglicht den Kindern eine Entwicklung hin zur Mündigkeit und Selbstverantwortung, die wiederum zur Bildung einer positiven Identität und Selbsteinschätzung führt. Eigenschaften die für Inklusion, Resilienz, angstfreies Lernen, die emotionale, soziale und die kognitive Entwicklung unabdingbar sind.