Die Eingewöhnung ist eine besonders bedeutsame Erfahrung in der Biografie des Kindes
Hier beginnt unsere gemeinsame Reise. Jedes Kind kommt mit seiner ganz eigenen kleinen Persöhnlichkeit zu uns. Gewohnheiten, Vorlieben, aber auch Abneigungen sind von Kind zu Kind unterschiedlich. Je jünger Kinder sind, um so wichtiger sind für sie Routinen und Strukturen. Sie geben Sicherheit und ermöglichen exploratives Verhalten. Um den Kindern diese Sicherheit zu geben, ist es uns enorm wichtig, in der Eingewöhung bekannte Routinen zu ermöglichen.
Die partizipatorische Eingewöhnung
Wir sprechen von einer Partizipatorischen Eingewöhnung, da Kind und Eltern die Eingewöhnung aktiv mitgestalten, indem sie zeigen, was sie brauchen, was ihnen gut tut und was für sie möglicherweise überfordernd ist. Die kindlichen und elterlichen Signale werden von uns als pädagogische Fachkraft wahrnehmend beobachtet und in unser professionelles Handeln einbezogen. Durch feinfühliges Reagieren auf die Bedürfnisse von Eltern und Kind gelingt es uns eine Beziehung aufzubauen, welche die Basis für alles Weitere darstellt. Erst wenn dieses grundlegende Vertrauen aufgebaut ist, kann das Kind sich der pädagogischen Fachkraft mit Interesse zuwenden und sich auf die neuen Erfahrungen in der Einrichtung einlassen.
Die Eingewöhnungszeit ist für alle Beteiligten eine intensive und sehr entscheidende Phase, Es ist für euer Kind und euch ein großer Schritt: von der Familie in die außerfamiliäre Betreuung. Nach einer gemeinsam erlebten intensiven Zeit innerhalb der Familie werden nun auch andere Menschen eine wichtige Rolle im Leben eures Kindes spielen. Die außerfamiliäre Betreuung eures Kindes gewinnt für euer Kind und euch an Bedeutung. Dennoch: ihr seid und bleibt weiterhin die wichtigsten Bezugspersonen eures Kindes!
Uns ist bewusst, dass diese Übergangszeit für euch als Eltern mit ambivalenten Gefühlen verbunden sein kann. Deshalb ist uns eine einfühlsame Begleitung eures Kindes und euch als Familie in der Übergangszeit sehr wichtig.
Warum ist eine bewusste Gestaltung des Übergangs so wichtig?
Für den Übergang aus der Familie in die Großtagespflege (GTP) brauchen Kinder ihre individuelle Zeit. Wichtig ist, jedem Kind sein entsprechendes Tempo des Eingewöhnens zu ermöglichen, um all das Neue und Unbekannte (z.B. Räume/ Abläufe/ Rituale/ andere Kinder/ Erzieherinnen/ Mahlzeiten/ Schlafen) gemeinsam mit euch als Bezugsperson kennenzulernen.
Nehmt euch die Zeit für den individuellen Prozess des Übergangs, der bei jedem Kind unterschiedlich lang sein kann.
Eine zu schnell vorangetriebene Eingewöhnung löst bei Kindern Stress aus und ist keine gute Voraussetzung für einen guten Start in der GTP! Lasst eurem Kind und euch die Zeit, die euer Kind und ihr braucht, um Vertrauen aufzubauen und Sicherheit zu gewinnen.
Wie verhalte ich mich als Eltern/ Bezugsperson in der Übergangsphase?
Ihr begleitet den Prozess des Übergangs aktiv mit!
Ihr verhaltet euch eurem Kind gegenüber wie gewohnt, wie euer Kind es von zu Hause kennt!
Ihr bleibt im GTP-Alltag für euer Kind präsent und seid somit „sicherer Hafen“ für euer Kind!
Ihr haltet Kontakt zur Bezugserzieherin und bleibt im Austausch mit ihr.
Teilt eure Beobachtungen, Gefühle und Gedanken bzgl. des Übergangs eures Kindes mit uns und gewinnt so Vertrauen.
Im Laufe der Zeit vereinbart ihr gemeinsam mit der Bezugserzieherin eures Kindes Phasen, in denen ihr euch innerhalb des Gebäudes zurückziehen, später dann sogar für eine kurze Zeit aus der GTP entfernen könnt.
Bleibt besonders in diesen Zeiten jederzeit telefonisch für uns erreichbar!
Ihr könnt euer Kind in der Eingewöhnungszeit nicht kontinuierlich begleiten?
Dann ist es sinnvoll eine kontinuierliche Begleitung durch eine eurem Kind vertraute Person z.B. Oma/ Opa auszuwählen, die den Übergang begleitet.
Wichtig ist, dass diese Person von euch über unser Eingewöhnungskonzept informiert wird, die BezugserzieherIn kennt und im Austausch mit ihr bleibt. Weiterhin ist der regelmäßige Austausch der Begleitperson mit euch als Eltern erforderlich.
Sieben Phasen der Eingewöhnung
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Informieren
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Ankommen
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in Kontakt treten
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Beziehungen aufbauen
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sich in der GTP wohlfühlen
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bereit für den Abschied: die GTP wird zum Alltag
1. Phase = Informieren & Kennenlernen
u.a.
Kennenlerngespräch
Aufnahmegespräch
2. Phase= Ankommen & Kennenlernen
Gebt eurem Kind und euch Zeit für den Übergang! Euer Kind bestimmt das Tempo!
In den ersten 3-5 Tagen machen euer Kind und ihr den noch neuen und unbekannten Ort gemeinsam und aktiv zu einer vertrauten Umgebung.
Euer Kind und ihr lernt die Alltagsstrukturen in unserer GTP und die Bezugserzieherin/Erzieherinnen in Ruhe kennen!
In dieser Phase seid ihr als AnsprechpartnerIn und sicherer Hafen für euer Kind sehr wichtig!
Ihr gebt ihm jetzt Halt, Sicherheit & Orientierung! Euer Kind braucht euch jetzt, um das noch Unbekannte vertraut werden zu lassen. Mit dieser Basis wird euer Kind seinen natürlichen Erkundungsdrang in das ihm noch Unbekannte ausleben.
Achtet auf die Signale eures Kindes und bleibt diesbezüglich im Austausch mit der Bezugserzieherin:
z.B. Euer Kind ist müde – Überlegt gemeinsam mit der Bezugserzieherin, inwieweit Ihr den GTP-Besuch für den Tag beendet.
z.B. Euer Kind möchte nicht am Morgenkreis teilnehmen – Gesteht eurem Kind zu, dass es bestimmte Abläufe aus der Ferne beobachten kann.
Besprecht gemeinsam mit uns den jeweiligen nächsten Tag und nutzt in dieser Phase unterschiedliche Zeitfenster im GTP-Alltag.
z.B.:
Wann kommen wir?
Wie lange bleiben wir?
Wann nehmen wir am Mittagessen/ Schlafen/ am Nachmittag teil?
Bitte klärt mit uns, an welchem Tag eure Teilnahme am Frühstück/ Mittagessen/ Schlafen sinnvoll ist. Uns ist es wichtig, dass ihr die Abläufe gemeinsam mit eurem Kind erlebt und kennenlernt; Eure Teilnahme ist allerdings nur begrenzt möglich, da ansonsten gerade beim Mittagessen/ Schlafen Unruhe für unsere Kinder aufkommt.
3. Phase = in Kontakt treten
Je nachdem, wie sicher euer Kind ist, wird es mit uns und/oder anderen Kindern in Kontakt gehen. Bleibt für euer Kind weiterhin der sichere Hafen, denn - auch wenn es nicht so scheint - braucht es euch jetzt!
4. Phase = Beziehungen aufbauen
In dieser Phase wird euer Kind immer mehr Kontakt zu uns aufnehmen; unterstützt euer Kind darin und signalisiert ihm, dass das in Ordnung ist. In dieser Phase übernimmt die Bezugserzieherin auch pflegerische Aufgaben wie z.B. das Händewaschen, Anziehen, Essensbegleitung/ Wickeln.
Bleibt dabei - noch braucht euer Kind euren Rückhalt!
5. Phase = „Ich fühle mich hier wohl!“
Folgende Signale sendet euer Kind im Wohlfühlzustand aus:
Euer Kind...
... geht gerne in die GTP und freut sich auf den GTP-Besuch.
... begrüßt uns und/oder die anderen Kinder.
... nimmt Blick- und Körperkontakt zu uns auf.
... freut sich, bestimmte Dinge in der GTP anzugehen und steuert direkt darauf zu.
... zeigt Interesse an anderen Kindern und deren Spielprozessen.
... vertieft sich in sein Spiel.
... schaut nicht mehr so häufig nach euch.
In dieser Phase könnt ihr euch immer weiter zurückziehen, wir sind immer mehr für euer Kind da und werden zu einer Kontakt- und Vertrauensperson für euer Kind.
Wichtig in dieser Phase: Lasst dies zu, damit wir den Kontakt und das Vertrauen aufbauen können!
6. Phase= Verabschieden
Wenn ihr folgende Fragen mit „JA“ beantworten könnt, dann kann die Phase des Verabschiedens geplant und geübt werden.
Wenn ihr folgende Fragen mit „NEIN“ beantwortet, verweilt euer Kind und ihr noch eine Weile in Phase 5.
• Ist unsere GTP für euer Kind und euch zu einem vertrauten und sichern Ort geworden?
• Erkundet euer Kind die GTP auch ohne euch?
• Verhält sich euer Kind so, wie ihr es auch von zu Hause kennt?
• Ist euer Kind in einem guten Kontakt mit seiner Bezugserzieherin?
• Spielt es mit der Bezugserzieherin und/oder weiteren Erzieherinnen? Kommuniziert es mit ihr/ihnen?
• Ist euer Kind aktiv am GTP-Alltag beteiligt?
• Hat euer Kind Interesse an den Abläufen in der GTP?
• Findet es ins Spiel?
• Lässt es sich von der Bezugserzieherin und/oder weiteren Erzieherinnen helfen und trösten?
• Habt auch ihr das Gefühl, euer Kind in der GTP lassen zu können? Habt ihr das Gefühl, dass es bei uns gut aufgehoben ist und es ihm bei uns gut geht?
Die Phase des Verabschiedens wird gemeinsam mit euch und der Bezugserzieherin geplant und eingeleitet – wenn alle Beteiligten so weit sind und mit einem guten Gefühl den nächsten Schritt gehen wollen.
Das erste Verabschieden wird für 5-10 Minuten geübt. Sagt und zeigt eurem Kind, was ihr tut, z.B. “Ich gehe kurz einen Kaffe trinken oder ich gehe kurz einkaufen!” Sofern euer Kind mit der ihm unbekannten Situation nicht umgehen kann, holen wir euch umgehend zurück. Natürlich kann es sein, dass euer Kind für kurze Zeit weint o.ä.; sobald es sich aber nach kurzer Zeit dem Geschehen in der GTP, der Bezugserzieherin und/oder den Kindern zuwendet, ist der “Trennungsschmerz” überwunden.
Sofern euer Kind mit der Situation gut zurechtkommt, wird die “Trennungsdauer” von Tag zu Tag gemäß dem individuellen Tempo eures Kindes verlängert.
In dieser Phase beobachtet ihr euer Kind zu Hause. Zeigt es andere Verhaltensweisen als bisher z.B: unruhiger Schlaf/anhängliches Verhalten? Wie zeigt euer Kind, dass es sich unwohl fühlt? Das Ausbleiben von Weinen oder/und weiteren Unmutsäußerungen ist nicht immer ein Garant für einen gelungenen Übergang, Manche Kinder leiden auch still. Falls ihr Entsprechendes beobachtet bzw. ihr in dieser Phase ein ungutes Gefühl habt, gebt ihr bitte der Bezugserzieherin eine Rückmeldung.
7. Phase = die Kita wird zum Alltag
Die Eingewöhnung ist abgeschlossen, wenn euer Kind die GTP als einen vertrauten und sicheren Ort erlebt. Es lässt Pflegesituationen zu, es lässt sich von der Bezugserzieherin und/oder weiteren Erzieherinnen trösten, es ist interessiert am Geschehen in der GTP.
Auch wenn euer Kind nicht jeden Morgen gut gelaunt in die GTP kommt, habt ihr als Bezugsperson so viel Vertrauen und Sicherheit entwickelt, dass ihr euer Kind in unserer GTP gut aufgehoben und betreut wisst.
Ist das nicht der Fall und ihr lasst euer Kind mit einem unguten Gefühl bei uns zurück, dann gebt uns bitte eine Rückmeldung. Gemeinsam werden wir nach einer Lösung suchen.
Nach der Eingewöhnungszeit laden wir euch zu einem Reflexionsgespräch ein. Hierzu erhaltet ihr rechtzeitig eine Einladung! Sofern eine weitere Person die Übergangszeit von der Familie in die GTP kontinuierlich begleitet hat, ist eine Teilnahme an dem Reflexionsgespräch sehr sinnvoll.
Das ist uns in der Übergangzeit wichtig:
Ihr werdet in der Zeit der Eingewöhnung Vieles in unserer GTP wahrnehmen und beobachten. Bitte beachtet, dass Beobachtungen anderer Kinder der Verschwiegenheit unterliegen.
Ihr seid in der Zeit der Eingewöhnung für euer Kind in der GTP verantwortlich. Bitte achtet auf die Signale und Bedürfnisse eures Kindes. Für die anderen Kinder haben wir die Verantwortung und sind für diese zuständig.
Unsere GTP-Kinder sind interessiert an unseren Gästen. Bitte nehmt kein anderes Kind auf den Schoß o.ä.
Wir bitten darum, euer Handy während der Betreuungszeit eures Kindes in der GTP nicht zu nutzen.
Bitte bleibt in der ersten Phase des Verabschiedens in Reichweite innerhalb der GTP; sobald ein größerer Abstand möglich wird, bleibt bitte telefonisch erreichbar. Bitte gleicht rechtzeitig vorher die von euch angegebenen Telefonnummern ab.
In der Zeit des Übergangs ist es wichtig, dass euer Kind täglich die GTP besucht; zeitliche Unterbrechungen während der Eingewöhnung können euer Kind irritieren. Berücksichtigt das bitte bzgl. eurer Urlaubsplanung. Falls ihr in oder nach der Eingewöhnung einen Urlaub plant, besprecht bitte einen sinnvollen Beginn einer kontinuierlichen Eingewöhnung im Aufnahmegespräch mit der Bezugserziehrin.